Mokelchen

  • WGJ 

Habe ich schon von meinem ersten eigenen Auto erzählt? Nein? Dann erzähle ich jetzt ein wenig davon. Mein erstes Auto war ein schwarzer Käfer Baujahr 1961 mit 34 PS.

Ich habe immer gehofft, in meiner 1½jährigen Bundeswehrzeit – ja, damals gab’s noch die Wehrpflicht – dort den Führerschein machen zu können. Leider hat das nicht geklappt. Und im Sommer 1970 wurde mir ein fast 10 Jahre alter Käfer zum Kauf angeboten. Da habe ich für 1.500,- DM zugeschlagen und mich bei der Fahrschule angemeldet. Leider dauerte es mit dem Führerschein bis September, obwohl ich nur 10 Fahrstunden brauchte. Der schwarze Käfer stand die ganze Zeit vor dem Haus. Ich habe lediglich ab und zu den Motor mal laufen lassen, damit die Batterie (6 Volt) nicht leer wird. Dann war es so weit und ich hatte den „Lappen“, den begehrten Führerschein. Da bin ich erst mal tanken gefahren (der Liter verbleites Normalbenzin kostete damals an der Schwarz-Weiß-Tankstelle 49,9 Pfennig). Man bekam also für 20 DM einen vollen Tank. Dann bin ich eine Stunde lang kreuz und quer durch Krefeld gefahren.

Doch nun ein paar Details zu dem Käfer Baujahr 1961 in Taxischwarz. Zum Einsteigen musste man die Fahrertüre aufschließen und den Schlüssel wieder aus dem Schloss ziehen, um dann den Türknopf zu drücken, damit sich die Fahrertüre öffnet. Die Beifahrertüre hatte kein Schloss und musste von innen ver- oder entriegelt werden.

Das Armaturenbrett aus „in Wagenfarbe lackiertem Blech“ war spartanisch. Es gab einen Tacho (bis 140 km/h) mit Kilometerzähler, einen Lichtschalter, einen Schalter für die Scheibenwischer, einen Aschenbecher und einen Haltegriff über dem Handschuhfach. Am Platz, an dem das Radio eingebaut werden konnte, war mit einer Blechblende verschlossen. Wenn man den Lichtschalter halb hinauszog, ging das Standlicht an. Bei ganz herausgezogenem Schalter war das Abblend- bzw. Fernlicht eingeschaltet. Zum Umschalten von Abblendlicht auf Fernlicht und umgekehrt gab es im Fußraum links neben dem Kupplungspedal ein Fußschalter.

Was fehlte, war die Tankanzeige. Dafür gab es in der Mitte des Fußraums einen Kraftstoffhahn, dem man bei leerem Tank auf „Reserve“ stellen konnte. Dann hatte man noch 5 Liter Sprit bis zum ganz leeren Tank und man sollte schleunigst eine Tankstelle aufsuchen. Der Spritverbrauch lag in etwa bei 10 l/100 km, was bei dem 40 Liter-Tank für fast 400 km reichte. Der 4 Zylinder Boxer Motor (1.192 ccm und 34 PS bei 3.600 U/min) beschleunigte das Auto (auf der noch nicht überfüllten Autobahn) in sagenhaften 32,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Bei 115 km/h Höchstgeschwindigkeit war dann nach einer gefühlten Ewigkeit Schluss. Man konnte aber dann stundenlang Höchstgeschwindigkeit fahren, außer wenn es bergauf ging. Da wurde der Käfer, trotz durchgetretenen Gaspedal, immer langsamer und man war froh, wenn man noch 80 km/h schaffte.

Eine Besonderheit war auch die pneumatische Scheibenwaschanlage. Das Waschwasser wurde mit dem Luftdruck des Reservereifens aus dem Wasserbehälter zu den Spritzdüsen gepumpt. Dazu musste ein Luftschlauch vom Ventil des Reserverads an den Wasserbehälter angeschlossen werden. Mit einem Druck auf den Knopf des Scheibenwischers betätigte man ein dort befindliches Ventil, dass das Wasser durch den Überdruck im Wasserbehälter zu den Düsen fließen ließ. Alle 2.500 km war der Schmierdienst (u. a. mussten die Schmiernippel der Vorderachse mit neuem Fett gefüllt werden) in der Werkstatt oder der Tankstelle fällig und alle 5.000 km musste das Öl gewechselt werden.

Irgendwann später habe ich mir 2 Dosen Autolack und Pinsel gekauft und den ganzen Wagen (bis auf die Räder, die Scheiben und die Chromteile) knallrot gestrichen.

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